„Apfelbäumchen“ arbeitet! – Strassenkinder in Kaliningrad, Russland

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 CHRISTIANE BLIESEKaliningrad/BerlinIch befinde mich in Kaliningrad, einer pulsierenden Stadt mit enormen Tempo. Neue Häuser schießen in die Luft.
Schnelle Autos und schnell wechselnde Werbung. Eine Kreuzung zwingt mich zum Anhalten. Viele Menschen, ca. 30, stehen an der Ampel.

An der Fußgängerbrüstung sitzt zusammengekauert ein Junge, vielleicht 15 Jahre alt. Er schläft, in der Hand einen Pappbecher. Braungebrannte Haut, die Kleidung länger nicht gewaschen, Kapuze ins Gesicht gezogen. Der Pappbecher in der Hand droht zu kippen. es ist nur eine 5 Rubelmünze drin. Allein. Ich suche noch nach meiner Geldtasche, ich finde sie nicht gleich.

Grün, weiter. Keiner hat etwas gegeben. Wer hilft diesem Jungen?

Ich treffe Sergey Kivenko, ein vitaler, gut aussehender Mittvierziger, dem man die Liebe für die Straßenkinder abspürt. Er ist der Leiter des Kinderhauses «Yablonka» (deutsch: Apfelbäumchen), hier können Kinder von 8-18 Essen bekommen, wenn nötig, auch einige Zeit übernachten.

Ich bekomme traditionell Tee. Ein junger 17-jähriger Junge gesellt sich zu uns. Er wartet auf das Essen, dass Sergeys Tochter gerade kocht. Nimmt sich von dem Kuchen.

Sergey erzählt, dass der Junge Probleme zu Hause hat und deshalb hier ist. Er könnte mein Sohn sein. Sergeys Telephon läuft heiß. Das Jugendamt fragt, ob der Junge schon auf dem Weg zur Arztuntersuchung wäre. Ja, er kommt, ist gleich unterwegs. Aber erst essen.

Der nächste ruft Sergey an, will ihn treffen. Sergey ist ein Mann, der nicht nach Effizienz zu messen ist. Er will den Kindern nicht nur die Grundversorgung geben. Er hört zu, hat viele Ideen, wie er die Stärken der Kinder fördern kann. Mit Workshops Töpfern und Feiern, Spielen. Fotos vom Sommerlager zeigen fröhliche Gesichter.

Auf die Frage, womit kann ich helfen können, antwortet er. Schreib, das «Apfelbäumchen» arbeitet.

Bis Februar konnte die Lutherische Kirche das Haus tragen. Nun ist es eine unabhängige Einrichtung. Das Haus hat der Staat zur Verfügung gestellt. Sergej arbeitet momentan ehrenamtlich und die Famielie lebt von seiner geringen Arbeitslosenhilfe. Nun das steht nicht in seiner Website – www.yablonka-kaliningrad.ru (sogar in deutsch).